Als sogenannter „freier Träger der Jugendhilfe“ bietet das Familienforum Havelhöhe Leistungen im Rahmen des SGB VIII, dem Kinder- und Jugendhilfegesetz, an. Konkret heißt dies, Familien und Kinder haben nach einer grundsätzlichen Bewilligung durch das Jugendamt einen Rechtsanspruch auf „Hilfen zur Erziehung“ am Familienforum Havelhöhe. In diesem Fall entstehen Ihnen keine Kosten für die Leistungen, diese werden vom Jugendamt getragen.


Sozialpädagogische Familienhilfe (§ 31 SGB VIII)

Die Familienhilfe ist eine konkrete, sozialpädagogische Unterstützung für alle Belange des familiären Zusammenlebens mit Kindern und Jugendlichen.

Familien sehen sich in den verschiedenen Entwicklungsphasen mit vorhersagbaren „normalen“ Krisen (Trotzphase, Pubertät der Kinder... ) aber auch unvorhersehbaren, plötzlich auftretenden Krisen konfrontiert (Konflikte, Krankheit, wirtschaftliche Probleme, Trennung oder sonstige Erziehungsherausforderungen).

Gegen dieses Gefühl elterlicher Überforderung, Erschöpfung oder Ohnmacht hat der Gesetzgeber den Rechtsanspruch auf „sozialpädagogische Familienhilfe“ geschaffen. Hier geht es weniger um das abstrakte Reflektieren von problembehafteten Situationen als vielmehr um die konkrete handlungsorientierte Bewältigung dieser alltäglichen Herausforderungen. Dies gelingt am besten durch die Unterstützung vor Ort im alltäglichen Geschehen selbst. Gemeinsam mit der pädagogischen Fachkraft können Handlungsalternativen erprobt und gefestigt werden.


Soziale Gruppenarbeit (§ 29 SGB VIII)

Soziale Kompetenz kann nur in Gemeinschaft gelernt werden! Was jedoch, wenn Kinder aufgrund von sogenannten sozialen oder emotionalen Auffälligkeiten aus Gruppen (Schulklassen, Vereinen, Freunden) immer wieder ausgeschlossen werden oder sich dort nicht wohl fühlen? Wenn Ausgrenzung, Mobbing und Gewalt aber auch sozialer Rückzug zum Thema werden, wenn Eltern und Lehrer Sorge haben, dass Kinder in Gruppen nicht zurecht kommen und das Selbstwertgefühl bereits leidet, dann braucht es ggf. den besonders geschützten Rahmen dieses Angebotes um den Teufelskreis zu durchbrechen und der Freude am sozialen Miteinander (wieder) zu begegnen. Positive Erfahrungen – sogar kognitives Lernen – finden ihren Nährboden in positiven Sozialkontakten. Grundlegend für dieses soziale Lernen ist, dass Kinder pädagogischen Rahmenbedingungen und Beziehungen begegnen, in denen sie sich selbst angenommen und gewertschätzt erleben dürfen und Verhaltensregeln im Umgang mit ihren Mitmenschen auf natürliche Weise lernen und verinnerlichen.


Systemische Familientherapie (§ 27 SGB VIII)

Es geht in diesem psychotherapeutischen Ansatz um die konstruktive, lösungsorientierte Gestaltung von familiären Beziehungen. Dabei spielt die Form der Familie – ob „klassisch“, Patchwork, getrennt lebend oder andere individuelle Lebenswelten verwirklichend – keine Rolle. In der systemischen Familientherapie geht es darum, gemeinsam das für möglichst alle Beteiligten stimmige Lebensmodell zu finden und übend umzusetzen. Manchmal machen Kinder in ihrer Art – durch auffälliges Verhalten oder psychosomatische Beschwerden – auf zwischenmenschliche Konflikte innerhalb der Familie aufmerksam. Ihr Verhalten kommt quasi einem Lösungsversuch nahe, der jedoch wirkungslos bleibt, weil er lediglich stellvertretend vom eigentlichen Beziehungskonflikt ablenkt. Die ursächliche familiäre Spannung rückt dann ggf. immer mehr in den Hintergrund und wird im Alltag oft nicht mit den vordergründigen Symptomen in Verbindung gebracht.

Auch wenn familiäre Beziehungen zu zerbrechen drohen oder wenn es bereits zur Trennung der Eltern gekommen ist, kann eine Familientherapie die richtige Hilfeform sein. Familiäre Beziehungen sind selbst durch formale und räumliche Trennungen nicht auflösbar: Eltern bleiben Eltern, Großeltern bleiben Großeltern, Geschwister bleiben Geschwister, auch wenn die Elternteile ihre Paarbeziehung beendet haben. Die Art der Beziehung muss sich jedoch zwangsläufig ver- ändern und muss neu gestaltet werden.

Dies ist eine der größten zwischenmenschlichen Herausforderungen unserer Zeit.


Begleiteter Umgang (§ 18 SGB VIII)

Wenn sich Eltern trennen wollen, so fällt es ihnen in der Trennungsphase oder im Scheidungsverlauf oft schwer, Distanz zu den eigenen Gefühlsregungen zu wahren und sich gemeinsam auf das Wohl ihres Kindes zu konzentrieren. Dazu gehört u.a. die Verabredung regelmäßiger Kontakte mit beiden Elternteilen, was dem Kind die Sicherheit gibt, beiden Eltern weiterhin wichtig zu sein und diese auch regelmäßig zur Verfügung zu haben. Durch die Neugestaltung des Umgangsrechtes wurde den Kindern das Recht auf Kontakt zu beiden Elternteilen wie auch zu anderen wichtigen Bezugspersonen (Großeltern, Geschwistern, Stiefeltern und Pflegeeltern) zuerkannt.

Das Angebot des Begleiteten Umgangs hilft auch dann den Kontakt zu den Eltern zu gewährleisten, wenn die Eltern-Kind-Beziehung stark belastet ist, massive Störungen in der Elternbeziehung vorliegen, Umgangskontakte unterbrochen werden oder die Eltern aus anderen Gründen ihrer Verantwortung, die Bindung zu ihrem Kind zu schützen, alleine nicht nachkommen können.