Anders als im präventiven Angebot der medizinisch-technisch geprägten Schwangerschaftvorsorge durch den Gynäkologen, die vorrangig klassisch präventiv „defizitorientiert“ Komplikationen ausschließen möchte, ist es die Intention des Babyvorbereitungskurses, Anregungen und Informationen darüber zu geben, wie eine einfühlsame Beziehung zwischen Eltern und Kind von Anfang an wachsen kann und von Beginn an eine gemeinsame Freude am täglichen Miteinander mit entsprechender positiver und damit gesundheitsfördernder Lebenskraft entwickelt werden kann.

Die Zeit während der Schwangerschaft und nach der Geburt ist die prägendste und damit sensibelste Zeit im Leben eines Kindes. Hier setzt dieses präventive Angebot an, möchte sensibel machen für die Bedürfnisse des Kindes und handlungsorientiert vermitteln, was das Kind zu dieser Zeit braucht und wie Eltern die Beheimatung für ihr Kind bereiten können.

Der thematisch aufeinander aufbauende Kurs steht unter dem Motto: „Das Neugeborene, seine Welt, sein Raum, sein Leben – gestalten, entwickeln, pflegen“. Er gliedert sich in drei zweistündige Veranstaltungen, die nur komplett gebucht werden können.

Themen, die behandelt werden, lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Hülle und Wärme

Die Gestaltung der körperlichen, seelischen und räumlichen Umgebung des Neugeborenen, welches gerade die natürlich schützende Hülle des Mutterleibes verlassen hat, braucht eine besondere Pflege, Bekleidung und Windeln sowie den engen Körperkontakt zur Mutter. Wie wichtig die Verwendung natürlicher Stoffe wie Wolle, Seide, Baumwolle und das natürliche Wickeln sein kann, erfahren die Eltern nicht nur kognitiv sondern auch durch das eigene Erleben, Fühlen und Spüren anhand von praktischen Übungen. Die eigene Entscheidung im Hinblick auf die zukünftig zu verwendenden Stoffe, Materialien und Pflegemittel kann somit leichter und verantwortungsbewusster getroffen werden. Prävention versteht sich auch hier wiederum als Bewusstmachung für die Bedürfnisse und die Fürsorge des Kindes. So ist diese in der ersten Zeit geprägt von Schutz und Begrenzung. Dies geschieht durch die entsprechende Kleidung als Wärmeschutz, dem Umschließen des Körpers mit Tüchern (Pucken) als noch notwendige Abgrenzungsunterstützung und die Gestaltung des Schlaf- und Wickelplatzes, der ausreichend Schutz und Geborgenheit bereitstellen sollte und entsprechend wenig Sinnesreize hervorrufen soll.

Körperpflege, Waschen, Baden

Diese zunächst selbstverständlich anmutenden „Notwendigkeiten“ des Alltages mit einem Baby leisten, sofern sie einfühlsam und respektvoll gestaltet sind, einen wesentlichen Beitrag zum Bindungsaufbau und zur Beziehungsgestaltung zwischen Eltern und Kind. Hier geht es um mehr als die Körperreinigung, die zwar auch – pragmatisch gesehen – Prävention ist und der Vorbeugung von Infektionen dient. In der Pflegesituation, die die vollständige Aufmerksamkeit des Pflegenden für das Kind voraussetzt, entsteht jedoch nur dann Bindung, sofern die rein physische Pflege durch die einfühlsame Integration der Hände, Sprache und des Blickes der Pflegeperson ergänzt wird. Diese Pflege erfüllt die seelischen und körperlichen Bedürfnisse des Kindes. Die Art der Sprache, des Blickes und die Berührung stellen eine besondere Qualität der Pflege her, die sich bindungs- und damit vertrauensfördernd auf das Kind auswirkt. So kann der Weg vom mitgebrachten Urvertrauen zum Selbstvertrauen geebnet werden, die emotionalen Grundbedürfnisse werden erfüllt.

Zusammenleben

Hier geht es um den Aufbau eines harmonischen Rhythmus zwischen Eltern und Kind zwischen Stillen, Schlafen, Weinen und Wachen. Gerade das erste Kind bringt eine komplette Umstellung des bis dahin durch die Zweierbeziehung geprägten Alltags mit sich. Der Säugling mit seinen Bedürfnissen steht nun im Fokus der Neuorientierung. Einerseits gibt dieser nun den Rhythmus im gewissen Sinne vor, andererseits können die Eltern ihn bei der Rhythmusfindung unterstützen. Bei der Behandlung dieses Themas geht es darum, die Rahmenbedingungen, z. B. durch Rituale, Tagesstruktur und Beziehung so zu gestalten, dass der Säugling Zeit und Raum hat, sich selbst zu entdecken, zu spüren und sich selbst zu regulieren. Jedes Kind hat dabei sein eigenes Entwicklungstempo, was es zu berücksichtigen gilt. Ein Rhythmus ist auch in diesem Sinne geprägt von Wiederholungen, die dem Kind die notwendige Sicherheit bietet. Nur durch erlebte Sicherheit kann der Säugling weitere Entwicklungsschritte wagen. Vom anfangs engen Körperkontakt mit der Mutter entwickelt und gestaltet sich durch die pflegerische Beziehung weniger eine „Versorgungssituation“ als vielmehr eine qualitativ enge Beziehung und Bindung, die eine Ressource, also ein wichtiger Resilienzfaktor im Hinblick auf das gesamte weitere Leben des Kindes bereitstellt.